Darf’s ein bisserl weniger sein?

Ich kaufe vom Bauträger eine Wohnung mit 100 m2, lasse sie nach Fertigstellung ausmessen und stellte fest, sie hat nur 97 m2, muss ich das akzeptieren? Viele Bauträger sagen ja, ich sage nein Video erfahren Sie warum.

Mit verschiedenen Formulierungen versuchen Bauträger, sich einen Spielraum bei der Wohnnutzfläche herauszuschlagen. Hier einige Beispiele.

„Die in diesem Vertrag und in den Plänen enthaltenen Maße sind ca. Rohbaumaße mit einer Maßtoleranz von +/- 3%. Abweichungen der Fläche innerhalb dieses Toleranzbereiches haben keine Änderungen des Kaufpreises zur Folge.“

 „Abweichungen des Flächenausmaßes des Kaufgegenstandes gegenüber den Planmaßen bleiben unberücksichtigt, sofern diese Abweichung nicht mehr als 3%, bezogen auf die gesamte Fläche samt Balkon oder Terrasse etc., beträgt. Aus solchen Abweichungen können von keiner Vertragspartei Rechtsfolgen (wie eine allfällige Kaufpreisanpassung, Schadenersatz oder Rücktritt) abgeleitet werden.“

 „Bei einer erheblichen Veränderung der vertraglich vereinbarten Wohn- und Nutzfläche zu Ungunsten der Käuferseite (mehr als -3%, Rohbaumaß ohne Verputz), kann von der Käuferseite die Anpassung der Höhe der Herstellungskosten verlangt werden, nicht jedoch eine Anpassung des Kaufpreises für den Grundanteil.“

 „Die Verkäuferin haftet für Lage, Ausstattung und Wohn- und Nutzfläche des Kaufobjektes gemäß Bau- und Ausstattungsbeschreibung und der Vermessungsunterlagen. Abweichungen von bis zu 3% der Wohn- und Nutzfläche werden nicht als Mangel gewertet.“

 „Überdies nimmt die Käuferseite zur Kenntnis, dass die aus diesem Vertrag für die kaufgegenständliche Wohnung sich ergebenden Nutzflächen von den letztendlichen Naturmaßen abweichen können. Beide Vertragspartner verzichten auf allfällige Ausgleichszahlungen infolge Flächenänderungen, sofern das Ausmaß der Flächenänderung der Nutzfläche nicht mehr als +/- 5% beträgt.“

Alle oben angeführten Klauseln regeln einerseits Gewährleistungsansprüche des Erwerbers, andererseits allfällige bereicherungsrechtliche Ansprüche des Bauträgers. In den meisten Klauseln verzichtet der Bauträger auf bereicherungsrechtliche Ansprüche bei Flächenüberschreitungen, verlangt im Gegenzug aber auch vom Erwerber den Verzicht auf eine Preisanpassung bei Flächenunterschreitungen, also einen Verzicht auf Gewährleistungsansprüche. In der Praxis kommen als Gewährleistungsansprüche de facto nur Preisminderung und Wandlung in Frage.

Ob nun in der Klausel vereinbart wird, dass Abweichungen bis zu einem bestimmten Prozentsatz der Gesamtfläche hinzunehmen sind, oder ob definiert wird, dass gewisse Abweichungen keinen Mangel darstellen, läuft auf dasselbe hinaus: nämlich eine Einschränkung der Gewährleistungsrechte des Erwerbers.

Damit Sie solchen Klauseln nicht auf den Leim gehen, sollten Sie eine Vertragsprüfung in Erwägung ziehen.